Fad im Hirn. ?

Ich schreib grad eine neue Geschichte. Die is irgendwie merkwürdig. Merkwürdig is nicht das richtige Wort....eher....anders. Anders triffts auch nicht ganz. Naja, sie is merkwürdig anders im Bezug auf den Schwerpunkt, nicht mein (sowieso eigenartiger) Schreibstil. Ich denke, sie ist sehr subtil und irgendwie...ja, irgendwie hat sie auch einen melancholischen Unterton. Ich hoffe, es wird nicht zum melancholisch- bitterem Nachgeschmack. Aber das liegt ganz allein bei meinen Charakteren.
Ich hab das Hauptaugenmerk jetzt nicht so wahnsinnig auf die Handlung gelegt, die ja absichtlich relativ unrealistisch is. Natürlich is die Handlung wichtig, aber in meinen Augen nicht das Wichtigste. Sie hat zwar Hand und Fuß, wenngleich etwas abstrus, doch immernoch möglich. Ich finde es ist wichtiger, dass die Charaktere leben. Sie sollen nicht lebendig sein, das reicht nicht, sie müssen leben.
In meiner neuen Geschichte geht es in erster Linie um....naja um die Beziehung zwischen zwei Charakteren. Sehr extreme Charaktere, also nicht extrem verschiedene Charaktere sondern...Sie sind einfach beide ungewöhnlich. Und zwiespältig. Vielleicht sind sie sich auch sehr ähnlich? Beide haben eine Vergangenheit, die anders ist als die der meisten Leute. Natürlich hat jeder Mensch eine eigene Vergangenheit, die sich nicht mit der anderer Leute vergleichen lässt. Doch im Grunde genommen passiert immer das gleiche. Die Vergangenheit dieser zwei Personen ist doch relativ außergewöhnlich und... tragisch. Tragisch kann viel heißen. Wenn die Katze, die bei mir wohnt stirbt ist das auch tragisch. Heute bin ich aus Versehen auf eine Heuschrecke getreten und hab sie zerquetscht, das war auch tragisch. Aber ich meine tragisch im Bezug auf die Entwicklung der sozialen Kompetenzen der beiden Personen.
Ihre Fähigkeit, Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen wurde durch ihre tragische Vergangenheit negativ beeinflusst, wenn nicht sogar total zerstört. Keine Bindungsangst oder so. Spielt zwar auch ein bissl rein, ist aber nicht das gravierendste Problem. Nein, ihnen fehlen einfach die banalsten, simpelsten Fähigkeiten zum Umgang mit Menschen. Man darf sich das jetzt nicht so vorstellen, dass sie jedem eins überziehn der ihnen blöd kommt oder dass sie in einer Ecke hocken und sich vom Leben isolieren. So mein ich das nicht. Ihnen fehlt irgendwie...die Fähigkeit, Gefühle zuzulassen, sie zu zeigen, sie auszuleben. Aber Gefühle sind sehr wichtig im Umgang mit Menschen. Man braucht sie, um sein Gegenüber zu verstehen, um sich in seine Situation versetzen zu können, um... ja, einfach um eine Beziehung, welcher Art auch immer, zu anderen Menschen aufbauen zu können. Selbst wenn man einen Menschen mit einem schlichten "Hallo" begrüßt, fühlt man doch etwas. Ich tu das zumindest, ob andere das auch tun kann ich natürlich nur vermuten, aber man freut sich doch in dem Moment, den Begrüßten zu sehen oder eben auch nicht. Folglich fühlt man etwas, also Freude oder Ärger oder...was auch immer. Der springende Punkt ist, man fühlt etwas, selbst bei einem trivialen "Hallo". Manche Menschen werden mehr auf ihr Gefühl hören und andere weniger. Manche vielleicht auch zuviel (ich glaub, sojemand bin ich, irgendwie bin ich echt a Vaserl....ich sollt ma nicht immer gleich über alles den Kopf so zerbrechen...) Und diese beiden Personen aus meiner Geschichte sind eben nicht in der Lage, Gefühle zuzulassen. Sie sind natürlich da, aber auf einer Ebene in ihrem Inneren, die sie völlig vom Rest isoliert haben. Sie haben also quasi ihre Gefühle luft- und schalldicht versiegelt. Naja und dass das nicht gesund ist, is ja irgendwo verständlich.
Aber was eben so...hm...ungewöhnlich an der Geschichte ist, dass die beiden Personen kaum miteinander reden. Sie reden generell so gut wie nichts. Bei der Wirkung einer Geschichte kommt es ganz darauf an, wie man gewisse Dinge gewichtet. Also, legt man jetzt mehr Wert auf eine wahnsinns Handlung oder doch mehr auf die Entwicklung, bzw. Schicksale der Personen oder verstärkt auf die Atmosphäre usw. Das macht den Unterschied. Die gleiche Geschichte wirkt von mal zu mal verschieden, je nachdem, auf was man besonders viel Wert legt.
Wie gesagt, mir ist wichtig, dass die Personen leben und Charakter haben. Ich beschreibe in meinen Geschichten auch nie die äußere Erscheinung der Personen. Das finde ich generell bei allen Büchern, Geschichten usw. schrecklich. Das zerstört die Fantasie. Ich möchte nicht, dass sich der Leser von solchen unwichtigen Dingen von der Geschichte ablenken oder beeinflussen lässt. Wenn jetzt z.B. ein "wunderschönes Mädchen" beschrieben wird, wird sich jeder etwas anderes darunter vorstellen. Wenn aber dieses "wunderschöne Mädchen" als "blond und blauäugig" beschrieben wird, ist das eine Enttäuschung für die Leser, die genau das Gegenteil als schön empfinden. Ich entschuldige mich für dieses banale Beispiel, aber man weiß was gemeint ist.
Diese Geschichte kommt ohne große Worte aus. Ich hab viel Wert auf Berührungen gelegt. Ja, Berührungen und Blicke. Man kann sie natürlich bei einer geschriebenen Geschichte nicht auf dem Papier sehen, aber die geschriebenen Worte erschaffen das Bild in den Gedanken. Es ist wunderbar, dass unser Gehirn zu soetwas in der Lage ist. Es kann praktisch alles visualisieren. Diese beeindruckende Fähigkeit hab ich benutzt, um die Geschichte zu verfassen.
Die Berührungen, Gesten, die Mimik der Personen, ihre Stimmen, Blicke, ihr Geruch, alles wird mit Worten ausgedrückt. Das war mir wichtig. Die beiden Charaktere kommunizieren miteinander ohne zu reden. Wahrscheinlich versuchen sie, ihre Unfähigkeit Gefühle zuzulassen zu kompensieren, indem sie alles durch Gesten und Handlungen ausdrücken. Also, auf emotionaler Ebene sind sie inkompetent, doch auf physischer durchaus nicht. Sie drücken Gefühle also durch Gesten u.Ä. aus. Wenn sich die Fingerspitzen zweier Menschen berühren sagt das soch wircklich mehr als tausend Worte.
Mir war aber auch wichtig, dass die Berührungen irgendwie... zart, klein und sanft sind. Also nicht so plump dahingestellt. Wie eine Feder sollten sie sein. Ja, das is ein ganz passabler Vergleich. Weich, fein und zart. Und irgendwie auch zerbrechlich. Die beiden Personen sind sehr, sehr zerbrechlich und fragil im Bezug auf ihre... Psyche? Nein, Psyche triffts nicht wirklich... Ich würd eher Seele sagen, obwohl ich mich vor diesem Begriff eher hüte, weil ich mir selbst nicht sicher bin, ob sie existiert oder was man sich jetzt darunter vorstellen kann. Aber hier beschreibt Seele doch am besten, was ich meine.
Naja, soviel zu meiner neuen Geschichte. Ich schreib sehr gern daran, auch wenns etwas...anstrengend is.

8.9.06 23:42

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